Violinenspiel für die UNICEF
Alexandra Freund-Gobs • 17. März 2024
Ein besonderer Nachmittag in einer fantastischen Lobby Lounge & Bar
Bis Ende 2023 wurde das denkmalgeschützte Palais am Schottenring 24 mit dem Namen Palais Hansen Kempinski Vienna noch von Kempinski Hotels betrieben. Ich hatte das Vergnügen, dort an einem kalten Nachmittag im Februar 2023 in der fantastischen Lobby Lounge & Bar zu verweilen. Der Weg führte mich eher zufällig dorthin, weil mein Sohn und mein Mann die Cigars Lounge für eine Zigarrenpause nutzen wollten. Ebenso zufällig gehörten wir auf diese Weise zu den letzten Gästen unter der Hotelfirmierung Palais Hansen Kempinski Vienna. Denn seit 05. März 2024 empfängt das Haus am Schottenring 24 unter neuer Marke seine Gäste.
Doch zurück zum Februar: Spontan begleite ich Mann und Sohn, bleibe dann allerdings in einer der einladenden Sitzecken der Lobby Lounge & Bar, um die wunderbare Atmosphäre zu genießen. Sofort kehrt Ruhe im Kopf ein, dafür sorgen die ansprechende Einrichtung und die zurückhaltende Höflichkeit aller Mitarbeitenden gleichermaßen. Es sind die Details, die auffallen. Mir geht zum Beispiel das Herz auf, als ich beobachte, dass ein Mitarbeiter im Laufe des Nachmittags die Sofakissen jeder Sitzecke immer wieder neu ausschüttelt, sobald ein Gast seinen Sitzplatz endgültig verlassen hat.
Doch zurück zum Februar: Spontan begleite ich Mann und Sohn, bleibe dann allerdings in einer der einladenden Sitzecken der Lobby Lounge & Bar, um die wunderbare Atmosphäre zu genießen. Sofort kehrt Ruhe im Kopf ein, dafür sorgen die ansprechende Einrichtung und die zurückhaltende Höflichkeit aller Mitarbeitenden gleichermaßen. Es sind die Details, die auffallen. Mir geht zum Beispiel das Herz auf, als ich beobachte, dass ein Mitarbeiter im Laufe des Nachmittags die Sofakissen jeder Sitzecke immer wieder neu ausschüttelt, sobald ein Gast seinen Sitzplatz endgültig verlassen hat.
Bühne frei für einen besonderen Auftritt
Ein Klavierspieler sorgt für angenehme Hintergrundmusik. Draußen ist es winterlich kalt und windig. In der Lobby befinden sich eine angenehme Anzahl an Menschen, nicht zu viele, dass es unruhig wird, nicht zu wenige, dass man sich einsam und verloren fühlen könnte. Meist sind es kleine Grüppchen aus zwei bis vier Leuten, die sich leise unterhalten und Kaffee, Wein oder wie ich eine heiße Schokolade trinken. Am Rand des Raums säumen Tische das Ambiente, hier speisen auch Gäste. Ich lausche der Musik und frage mich, wer im Hotel gerade wohnt und wer, wie ich, "nur" als Lobby-Gast hier sitzt.
Irgendwann ändert sich etwas an der Stimmung und ein junger Mann mit Violine betritt den Raum und stellt sich neben das Klavier. Ein Hauch von Neugier bestimmt jetzt die Energie. Der Klavierspieler und der junge Mann wechseln kurz ein paar Worte, lächeln sich an und der Klavierspieler räumt seinen Platz.
Der junge Mann räuspert sich sichtlich nervös und stellt sich in englischer Sprache vor als Anthony Knight. Er komme von der Taunton School in England. Die Taunton School in Taunton/Sumerset ist eine im Jahr 1847 gegründete Internatsschule. Dort werden junge Menschen nach ihren Begabungen und Fertigkeiten ausgebildet. Anthony erklärt, er werde hier nun ein paar Stücke von Telemann und Bach spielen. Augenblicklich verzaubert er die Gäste der Lobby mit seinem Spiel. Ein sichtlich stolzer Mann (es ist der Vater Paul Knight, wie sich später herausstellt), filmt den 17-jährigen Anthony begeistert mit dem Handy. Ich lausche der Musik. Nach seinem letzten Stück setzt sich Anthony neben seinen Vater Paul, beide befinden sich, wie es der Zufall will, direkt neben meiner Sitzgruppe. So kommen wir ins Gespräch. Anthony und Paul Knight erzählen abwechselnd.
Ein junger Mann, ein großes Vorhaben
Anthony hat sich in den Kopf gesetzt, ein besonderes Fundraising-Projekt durchzuführen. Er sammelt Spenden für UNICEF mit seinem Violinen-Spiel. Hierfür besucht er innerhalb eines Jahres in zwölf europäischen Städten die jeweils exklusivsten Hotels, um dort nachmittags zu spielen. Er war, wie er erzählt, gerade in Berlin und wird nach Wien die Städte Prag und Budapest besuchen. Dabei ermuntert er überall die Gäste, die ihm in den Hotel-Lobbys lauschen, auf unicef.org zu spenden. Während ich den Blog schreibe, hat Paul von seinem Ziel (20 000 Euro) bereits 10 000 Euro gesammelt.
Als ich im Palais Hansen Kempinski Vienna saß, spendete eine Frau spontan einen größeren Betrag. Sie war sichtlich überwältigt von der Spendenidee und der entschlossenen Kraft, die der junge Anthony ausstrahlt.
Als ich im Palais Hansen Kempinski Vienna saß, spendete eine Frau spontan einen größeren Betrag. Sie war sichtlich überwältigt von der Spendenidee und der entschlossenen Kraft, die der junge Anthony ausstrahlt.
Auch ich ziehe den Hut vor dieser Idee. Ganz besonders beeindruckt mich die Rahmenbedingung, unter der der junge Mann seine Idee durchführt. Dass es sich hier nicht um eine leichte Vergnügungsreise handelt, wird mir spätestens nach dem Auftritt klar. Nach unserer Plauderei und einer kurzen Zeit der Erholung in der Lobby zieht sich Anthony zurück, um aus dem feinen Auftrittszwirn in Alltagskleidung zu schlüpfen. Die Spendentournee kostet auch sichtlich Kraft. Nach dem Gastspiel verlässt die Familie Knight eilig das Hotel, nicht ohne sich vorher noch bei allen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern mit einem Winken und einem Dank zu verabschieden.
Ich bleibe noch eine Weile sitzen und warte auf meine Männer. Dabei genieße ich die typische Atmosphäre des exklusiven Hotels mit der typischen Unaufgeregtheit bei gleichzeitig sehr aufmerksamem Personal. Ab und zu kommen Hotelgäste über den verglasten Aufzug in die Lobby gefahren, um sich mit Freunden zu treffen, andere Hotelgäste kommen mit vom Wind zerzausten Haaren und roten Nasen aus der Kälte, die an dem Tag in Wien herrscht, um sich sichtlich freudig der wärmenden Lobby-Atmosphäre zuzuwenden oder sich mit dem Aufzug zu ihren Suiten zu begeben.
Mehr über die Tour von Anthony Knight findet man hier. „My UNICEF Grand Tour“: https://www.gofundme.com/f/meuj6-my-unicef-grand-tour
Stuttgart-Wien-und-mehr

Die Dämmerung breitet sich in der Umgebung aus und zu hören ist nur der beruhigende, blubbernde Motor unseres alten VW Käfers. Ansonsten hört man kein Geräusch. Ein bisschen fühlt es sich an wie nach Neuschnee, alles scheint in Watte gepackt. Da wir uns aber mitten in einem Naturschutzgebiet befinden, ist das unnatürlich. Normalerweise kündigen Vögel mit ihrem Abendgesang die Nacht an, hier ist es absolut still. Auch der Wind verursacht kein Blätterrauschen. Denn die Korkeichen am Straßenrand und auf den Hügeln um uns herum tragen kein einziges Blatt mehr, obwohl es erst September ist. Und die Baumstämme und Äste der Bäume sind kohlrabenschwarz. Es fühlt sich an, als würden wir durch eine Mad Max Kulisse fahren nach einer Apokalypse. Auch der Geruch ist nicht der nach frischem Wald. Zugetragen hat sich das im Jahr 1990. Wir waren als Studenten auf Tour und fröhlich gestimmt von der Route Napoleon abgefahren. Nun durchquerten wir zum ersten Mal das südfranzösische Maurengebirge in Richtung Côte d’Azur. Es war auch das erste Mal, dass wir die Auswirkungen eines verheerenden Waldbrandes gigantischen Ausmaßes unmittelbar erlebten, es sollte nicht das letzte Mal sein. Woher kommt der Name Massif des Maures? Das Gebirge befindet sich zwischen Hyères und Fréjus im Departement Var. Es erstreckt sich über eine Fläche von 135 000 Hektar und ist 60 km breit, über 130 km lang und bis zu 780 m hoch. Der Name der Gebirgskette, Massif des Maures (Maurengebirge), hat seinen Namen von der dunklen Farbe des Gesteins und seiner Bewaldung mit Kork- und Steineichen und ist wohl auf das okzitanische Wort maouro (schwarz) zurückzuführen. Der Name hat sich mit den Jahrhunderten immer wieder verändert: Montem Maurum, Maura, la Maura im Jahre 1529, las Mauras de Bormettas. Historiker und Linguisten vermuten, dass der Name „montagne noire“ (schwarzer Berg), zuerst im Singular als „la noire“ (der Schwarze) benutzt wurde (la Maura, in Latein und Provenzalisch) und später auch im Plural, da das Gebirge mehrere Gipfel aufweist. Zahlreiche markante Aussichtspunkte ermöglichen fantastische Ausblicke über die imposante Küste und kilometerweite Wälder im Landesinneren. Wer die Ruhe abseits der Touristenströme liebt und dem hippen Côte d’Azur-Lifestyle ab und zu den Rücken kehren möchte, ist hier goldrichtig. Man kann wandern und abgelegene Weingüter besichtigen, die, wie beispielsweise das Weingut Domaine Murennes, aufgrund schwerer Erreichbarkeit auch der Resistance einen Rückzugsort boten. Darüber schreibe ich aber ein anderes Mal. Mit der Waldbrandgefahr leben Auffällig im Massif de Maures sind allgegenwärtig Warn- und Verbotsschilder, die bei bestimmten Wetterlagen das Begehen der Wege verbieten, um damit die Gefahr von Waldbränden einzudämmen. Damit muss man rechnen und das ist auch gut so. Denn leider sind Waldbrände im Maurengebirge keine einmalige Katastrophe, sondern treten immer wieder auf. Sie gehen nicht immer glimpflich aus. Bei einigen der Brände starben Menschen. Bei allen Bränden sind Natur und Tiere betroffen. Die Korkeichen erholen sich meist wieder schnell, das gilt nicht für die ebenfalls ansässigen Schirmpinien, ganz zu schweige von den Tieren, die nicht schnell genug das Weite suchen können. Die Natur kann sich über mehrere Jahre hinweg regenerieren, die Landschaft wird aber eine andere sein. Und immer, wirklich immer, sind hunderte von Feuerwehrmännern bei den Waldbränden im Einsatz, um die Feuer zu bekämpfen, manchmal viele Tage lang und immer bis zur Erschöpfung und in der Hoffnung und mit Blick auf Wind und Wetter, ob sich das Schlimmste verhindern lässt. Warum schreibe ich darüber? Feuerwehrmänner: Helden auf Abruf Die Idee entstand diesen Sommer, als wir an einem wundervollen sonnigen Septembertag bei bestem Wetter oberhalb des Örtchens Bormes les Mimosas steil bergan durch den Korkeichenwald zur Chapelle Notre Dame de Constance wandern. Der Blick von oben ist herrlich. Nach einem etwa 30-minütigen Fußweg und mächtig durchgeschwitzt genießen wir den Ausblick über die Küste und die Inseln Iles d'Or und Iles du Levant von der Kapelle aus. Ein Stück weiter befindet sich eine Aussichtsplattform mit 360-Grad-Aussicht. Bei näherem Hinsehen fallen mir von weitem zwei Menschen in tieforangen Oberteilen auf, die auf der Plattform sitzen und sich unterhalten. Es sind Feuerwehrmänner, die hier Feuerwache halten. Für mich sind das zwei der Helden des Maurengebirges und ich möchte sie kennenlernen. Endlich zahlt sich für mich aus, dass ich seit etwa einem Jahr mein Schulfranzösisch mit einem Online-Kurs aufpoliere. Auffällig ist die Ruhe, die die beiden ausstrahlen. Das ist mir vertraut vom Kontakt zu Menschen, deren Arbeit darin besteht, in Ausnahmesituationen besonnen funktionieren zu müssen. Sehr entspannt und zugewandt gehen sie auf meine unperfekt auf Französisch formulierten Fragen ein. Oft treffe ich mittlerweile auf Französinnen und Franzosen, die lieber aufs Englische ausweichen, als Geduld für mein B1-Sprachniveau aufzubringen. Wir kommen ins Gespräch und unterhalten uns über Urlaube mit dem Wohnmobil, der eine der beiden fährt ein Hymermobil und ist davon begeistert. Als wir ihm berichten, dass wir etwa 40 km entfernt vom Hymer-Stammsitz in Deutschland unsere Heimat haben, ist er begeistert: „Eh bien, le monde est petit.“ (Die Welt ist klein.) Unsere Gesprächsthemen streifen nur am Rande die großen Brände von 2021 und 2017, die hier noch allen in Erinnerung sind. Vielleicht ist das normal. Es ist auf jeden Fall verständlich: Die beiden Feuerwehrmänner müssen sich konzentriert fokussieren, wenn Gefahr im Verzug ist. Jetzt plaudern sie, aber immer mit aufmerksamem Rund-um-Blick über die bewaldeten Hügel und immer mit halbem Ohr am Funkgerät, aus dem, begleitet von Knarzen und Rauschen, kurze Meldungen eingehen. Das ist der Moment, indem ich beschließe, den Blog über die Begegnung mit den beiden Feuerwehrmännern zu schreiben. Für mich sind sie stellvertretend für alle, die für die Sicherheit im Maurengebirge sorgen. Eine Präventionskampagne liefert nützliche Informationen für Touristen und Einheimischen: https://www.prevention-incendie-foret.com/ Konkrete Verhaltenstipps für Waldbesuche gibt es hier: https://www.prevention-incendie-foret.com/pratiques-a-risque/en-foret-interdiction-de-faire-feu Die Risikomeldungen werden zwischen Juni und September täglich aktualisiert: Zugangskarte zu den Waldgebieten des Var und Arbeitsvorschriften in den Waldgebieten des Var









