Reise durch den Nachthimmel: Urania Sternenwarte Wien

Alexandra Freund-Gobs • 6. Februar 2026

Wenn es einem unten zu bunt wird – einfach in die Sterne schaun

Beim ersten Mal verlaufe ich mich auf dem Weg hoch zur Urania Sternenwarte, denn das Gebäude beherbergt auch ein Restaurant mit Bar und so lande ich auf einer wilden Party und werde empfangen von hämmernden Beats und einer bunten, jungen Gästemischung. Duzende Hände weisen mir wippend den Weg: Treppe wieder runter, um das Gebäude rum, andere Treppe hoch.

Ich war bislang einmal im Sommer und einmal im Winter auf der Urania Sternenwarte. Im Sommer waren wir nur acht Besucher, das sind ideale Bedingungen, um lange Blicke durch das Teleskop werfen zu können. Es lohnt sich also, einen Termin auszuwählen, bei dem rund herum so viel los ist, dass so gut wie kein Mensch auf die Idee kommt, in die Sterne zu gucken. Für mich ist es ohnehin eine verrückte Idee: Eine Sternenwarte vermute ich eher im lichtarmen Raum. Die Urania Sternenwarte Wien befindet sich aber mitten in der Stadt, neben dem Donaukanal, unweit vom Schwedenplatz. Hier ist es nie richtig dunkel. 

Eine Sternenwarte mitten in der Stadt -wie passt das zusammen?

Genau genommen beginnt die Geschichte der Urania Wien schon im Jahr 1883: Der deutsche Astronom Max Wilhelm Meyer war nach Wien gekommen, wo er an der Universität als Assistent historische wie zukünftige Sonnenfinsternisse berechnen sollte. Er hielt nebenbei volkskundliche Vorträge und entwickelte die Idee einer volksbildenden Institution. 1885 wurde er allerdings nach Berlin abberufen – und dort gründete er mit Wilhelm Foerster die Berliner Urania, um einem Laienpublikum Wissenschaft zugänglich zu machen. Und jetzt?

Berliner Urania wird Wiener Vorbild

Urania ist in der griechischen Mythologie die Muse der Sternenkunde. Und die Muse kam auch nach Wien: Die Wiener Urania wurde nach dem Vorbild der Urania Berlin im Jahr 1897 gegründet und am 7. Mai 1898 anlässlich der Jubiläumsausstellung zum 50-Jahre-Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I im Wiener Prater als provisorische Urania eröffnet. Sie war als Vorläuferin einer Urania gedacht, die nach der Jubiläumsausstellung in der Inneren Stadt als bleibende Institution errichtet werden sollte. Bis dahin vergingen noch ein paar Jahre mit Verhandlungen und um die finanziellen Mittel zusammenzubekommen. Mit der Planung des Neubaus betraute man den Jugendstilarchitekten Max Fabiani, einen Schüler Otto Wagners. Am 20. Mai 1910 öffnete die Urania Sternwarte erstmals ihre Kuppel – pünktlich zur Wiederkehr des Halleyschen Kometen. 

Das Bildungsangebot in dem neuen Urania-Gebäude wurde währenddessen erweitert und neben dem üblichen Kursprogramm gab es auch viele Dichterlesungen, bei denen junge Literaten aus ihren Werken lasen, darunter Thomas Mann, Arthur Schnitzler, Hermann Hesse, Hugo von Hofmnannsthal und viele mehr. 
In den Jahren 2001 bis 2003 wurde die gesamte Urania generalsaniert – auch die Sternwarte erhielt eine neue Kuppel sowie ein modernes Teleskop und wurde technisch auf den neuesten Stand gebracht. Heute gehört die Urania Sternwarte zur Wiener Volkshochschulen GmbH.

Die Urania Sternenwarte in Wien bietet trotz Stadtlicht beeindruckende Blicke in den Himmel

Als älteste öffentlich zugängliche Volkssternwarte Österreichs bietet die Urania übrigens trotz des allgegenwärtigen Stadtlichts eindrucksvolle Blicke in die Welt der Astronomie. 
Ich bin bei meinem ersten Besuch schon in dem Moment hin und weg, als sich die Kuppel öffnet und ein Stück Sternenhimmel freigibt. Und, auch wenn es hier um den Himmel geht, komme ich nicht umhin, mir einen Moment zu gönnen, um den grandiosen Ausblick über die Lichter der Stadt zu genießen. 
Wir stehen im Kreis und lauschen unserer Guide, einer Astrophysikstudentin, die uns erklärt, was wir gleich durch das Teleskop betrachten werden. Dann schauen wir alle der Reihe nach durch das Teleskop in den Himmel. In mir kehrt eine angenehme Ruhe ein. Der ganze Weltentrubel mit allen erdenklichen Push-Nachrichten auf dem Handy gerät in den Hintergrund. Das Licht der Sterne braucht Millionen von Jahren, bis es bei uns ist. 

Was wir sehen, sind Momentaufnahmen, die genau genommen schon wieder Geschichte sind. Aber die Sterne blinken eifrig weiter, neue entstehen und die Astrophysik entschlüsselt akribisch Rätsel um Rätsel des Universums. Neue Erkenntnisse widerlegen altes Wissen und dem Universum ist das, was wir hier treiben – um es wienerisch zu sagen – eh wurscht. 

Den Schritten von Neil Armstrong auf dem Mond folgen

Der letzte Leckerbissen, den wir zu sehen bekommen, ist der Mond. Und, ja, der Blick ist gigantisch. Ich habe nichts vergleichbar Schönes im Internet gefunden, als ich nach meinem Sternenwarten-Besuch nach Mondbildern suche. 

Man meint, die ersten Fußabdrücke Neil Armstrongs aus dem Jahr 1969 entdecken zu können. Nein, natürlich nicht, aber ich sehe Krater, Vertiefungen, Licht und Schatten, erkenne eine Landschaft und das ist gigantisch. Als ich das zweite Mal auf der Sternenwarte bin, gibt es ein weiteres Highlight. Den Saturn. Deutlich sehe ich die Ringe des Saturn, die das ausgedehnteste und hellste Ringsystem im Sonnensystem bilden, bestehend aus unzähligen Eis- und Gesteinspartikeln. 

Ein bisschen wird mir bei diesem zweiten Mal flau im Magen, wenn die Beobachtungskuppel rotiert und ich folge dem Tipp, während des Drehens auf den Boden zu schauen. 
Und am Ende der Veranstaltung fühle ich mich beschwingt, denn es gibt zum Glück weitaus Größeres, als uns Menschen.

Stuttgart-Wien-und-mehr

von Alexandra Freund-Gobs 16. November 2025
Die Dämmerung breitet sich in der Umgebung aus und zu hören ist nur der beruhigende, blubbernde Motor unseres alten VW Käfers. Ansonsten hört man kein Geräusch. Ein bisschen fühlt es sich an wie nach Neuschnee, alles scheint in Watte gepackt. Da wir uns aber mitten in einem Naturschutzgebiet befinden, ist das unnatürlich. Normalerweise kündigen Vögel mit ihrem Abendgesang die Nacht an, hier ist es absolut still. Auch der Wind verursacht kein Blätterrauschen. Denn die Korkeichen am Straßenrand und auf den Hügeln um uns herum tragen kein einziges Blatt mehr, obwohl es erst September ist. Und die Baumstämme und Äste der Bäume sind kohlrabenschwarz. Es fühlt sich an, als würden wir durch eine Mad Max Kulisse fahren nach einer Apokalypse. Auch der Geruch ist nicht der nach frischem Wald. Zugetragen hat sich das im Jahr 1990. Wir waren als Studenten auf Tour und fröhlich gestimmt von der Route Napoleon abgefahren. Nun durchquerten wir zum ersten Mal das südfranzösische Maurengebirge in Richtung Côte d’Azur. Es war auch das erste Mal, dass wir die Auswirkungen eines verheerenden Waldbrandes gigantischen Ausmaßes unmittelbar erlebten, es sollte nicht das letzte Mal sein. Woher kommt der Name Massif des Maures? Das Gebirge befindet sich zwischen Hyères und Fréjus im Departement Var. Es erstreckt sich über eine Fläche von 135 000 Hektar und ist 60 km breit, über 130 km lang und bis zu 780 m hoch. Der Name der Gebirgskette, Massif des Maures (Maurengebirge), hat seinen Namen von der dunklen Farbe des Gesteins und seiner Bewaldung mit Kork- und Steineichen und ist wohl auf das okzitanische Wort maouro (schwarz) zurückzuführen. Der Name hat sich mit den Jahrhunderten immer wieder verändert: Montem Maurum, Maura, la Maura im Jahre 1529, las Mauras de Bormettas. Historiker und Linguisten vermuten, dass der Name „montagne noire“ (schwarzer Berg), zuerst im Singular als „la noire“ (der Schwarze) benutzt wurde (la Maura, in Latein und Provenzalisch) und später auch im Plural, da das Gebirge mehrere Gipfel aufweist. Zahlreiche markante Aussichtspunkte ermöglichen fantastische Ausblicke über die imposante Küste und kilometerweite Wälder im Landesinneren. Wer die Ruhe abseits der Touristenströme liebt und dem hippen Côte d’Azur-Lifestyle ab und zu den Rücken kehren möchte, ist hier goldrichtig. Man kann wandern und abgelegene Weingüter besichtigen, die, wie beispielsweise das Weingut Domaine Murennes, aufgrund schwerer Erreichbarkeit auch der Resistance einen Rückzugsort boten. Darüber schreibe ich aber ein anderes Mal. Mit der Waldbrandgefahr leben Auffällig im Massif de Maures sind allgegenwärtig Warn- und Verbotsschilder, die bei bestimmten Wetterlagen das Begehen der Wege verbieten, um damit die Gefahr von Waldbränden einzudämmen. Damit muss man rechnen und das ist auch gut so. Denn leider sind Waldbrände im Maurengebirge keine einmalige Katastrophe, sondern treten immer wieder auf. Sie gehen nicht immer glimpflich aus. Bei einigen der Brände starben Menschen. Bei allen Bränden sind Natur und Tiere betroffen. Die Korkeichen erholen sich meist wieder schnell, das gilt nicht für die ebenfalls ansässigen Schirmpinien, ganz zu schweige von den Tieren, die nicht schnell genug das Weite suchen können. Die Natur kann sich über mehrere Jahre hinweg regenerieren, die Landschaft wird aber eine andere sein. Und immer, wirklich immer, sind hunderte von Feuerwehrmännern bei den Waldbränden im Einsatz, um die Feuer zu bekämpfen, manchmal viele Tage lang und immer bis zur Erschöpfung und in der Hoffnung und mit Blick auf Wind und Wetter, ob sich das Schlimmste verhindern lässt. Warum schreibe ich darüber? Feuerwehrmänner: Helden auf Abruf Die Idee entstand diesen Sommer, als wir an einem wundervollen sonnigen Septembertag bei bestem Wetter oberhalb des Örtchens Bormes les Mimosas steil bergan durch den Korkeichenwald zur Chapelle Notre Dame de Constance wandern. Der Blick von oben ist herrlich. Nach einem etwa 30-minütigen Fußweg und mächtig durchgeschwitzt genießen wir den Ausblick über die Küste und die Inseln Iles d'Or und Iles du Levant von der Kapelle aus. Ein Stück weiter befindet sich eine Aussichtsplattform mit 360-Grad-Aussicht. Bei näherem Hinsehen fallen mir von weitem zwei Menschen in tieforangen Oberteilen auf, die auf der Plattform sitzen und sich unterhalten. Es sind Feuerwehrmänner, die hier Feuerwache halten. Für mich sind das zwei der Helden des Maurengebirges und ich möchte sie kennenlernen. Endlich zahlt sich für mich aus, dass ich seit etwa einem Jahr mein Schulfranzösisch mit einem Online-Kurs aufpoliere. Auffällig ist die Ruhe, die die beiden ausstrahlen. Das ist mir vertraut vom Kontakt zu Menschen, deren Arbeit darin besteht, in Ausnahmesituationen besonnen funktionieren zu müssen. Sehr entspannt und zugewandt gehen sie auf meine unperfekt auf Französisch formulierten Fragen ein. Oft treffe ich mittlerweile auf Französinnen und Franzosen, die lieber aufs Englische ausweichen, als Geduld für mein B1-Sprachniveau aufzubringen. Wir kommen ins Gespräch und unterhalten uns über Urlaube mit dem Wohnmobil, der eine der beiden fährt ein Hymermobil und ist davon begeistert. Als wir ihm berichten, dass wir etwa 40 km entfernt vom Hymer-Stammsitz in Deutschland unsere Heimat haben, ist er begeistert: „Eh bien, le monde est petit.“ (Die Welt ist klein.) Unsere Gesprächsthemen streifen nur am Rande die großen Brände von 2021 und 2017, die hier noch allen in Erinnerung sind. Vielleicht ist das normal. Es ist auf jeden Fall verständlich: Die beiden Feuerwehrmänner müssen sich konzentriert fokussieren, wenn Gefahr im Verzug ist. Jetzt plaudern sie, aber immer mit aufmerksamem Rund-um-Blick über die bewaldeten Hügel und immer mit halbem Ohr am Funkgerät, aus dem, begleitet von Knarzen und Rauschen, kurze Meldungen eingehen. Das ist der Moment, indem ich beschließe, den Blog über die Begegnung mit den beiden Feuerwehrmännern zu schreiben. Für mich sind sie stellvertretend für alle, die für die Sicherheit im Maurengebirge sorgen. Eine Präventionskampagne liefert nützliche Informationen für Touristen und Einheimischen: https://www.prevention-incendie-foret.com/ Konkrete Verhaltenstipps für Waldbesuche gibt es hier: https://www.prevention-incendie-foret.com/pratiques-a-risque/en-foret-interdiction-de-faire-feu Die Risikomeldungen werden zwischen Juni und September täglich aktualisiert: Zugangskarte zu den Waldgebieten des Var und Arbeitsvorschriften in den Waldgebieten des Var
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