Der Koppenwinkelsee nach Gewitter...

Alexandra Freund-Gobs • 19. Juli 2026

...entdeckt im Wasserturm von Favoriten.

Ich war noch nie im Dachsteingebirge oder in Obertraun, geschweige denn am Koppelwinkelsee. Trotzdem verbinde ich mit diesem See eine zauberhafte Geschichte, die sich in Wien zutrug:


Der Wunsch nach einer fantastischen Aussicht…


Ein Wahrzeichen vom Wiener 10. Gemeindebezirk Favoriten ist der Wasserturm. Im Stil des industriellen Historismus in den Jahren 1898 bis 1899 gebaut, ist es der schönste Wasserturm, den ich kenne.  Bis 1956 diente er der Wasserversorgung. Heute wird das Innere als Ort für Veranstaltungen und Ausstellungen mit Bezug zum Thema Wasser genutzt. Wenn man Glück hat, darf man dann auch den Ausblick von der Plattform genießen. Der Turm lässt sich umrunden und gibt eine fantastische 360 ° Aussicht über Wien frei.


Ich gebe es zu, das war der eigentliche Grund, warum mich der Weg an einem wundervollen Sonnentag zur Ausstellung von Helmut Schindler führte, die gerade im Wasserturm zu besichtigen war. Als ich ungeduldig vor der Tür wartete, kam ein älterer Herr behände aus der Straßenbahn gesprungen und öffnete mir die Tür. Es stellte sich heraus, es war der Künstler höchstpersönlich. Da es einer der ersten warmen Sonnentage nach einer langen Trübwetter-Durststrecke war und noch wochentags dazu, war ich zunächst die einzige Besucherin. Nein, sagte er mir, auf die Aussichtsplattform dürfe ich nicht ohne begleitendendes Fachpersonal. So kamen wir ins Gespräch.


…führt zum Exklusivgespräch…


Der gebürtige Wiener Jahrgang 1939 hatte den Lehrberuf ausgeübt und zudem das Studium der Gebrauchsgrafik und der Malerei absolviert. Künstlerisch hatte er sich kontinuierlich weitergebildet in verschiedene Malrichtungen und war eine Zeit lang Mitglied einer Künstlergruppe, die sich dem Akt malen widmete.

In eine Schublade stecken lässt sich Helmut Schindler nicht. Das wird mir schnell klar, als wir, von Bild zu Bild schlendernd, über sein Arbeits- und Künstlerleben sprechen. Er erzählt mir viele Anekdoten. So war ihm vor etwa 30 Jahren am Ende eines Schuljahres im Klassenzimmer eine Mappe mit allen möglichen Bildern aus der Hand auf den Boden geflogen. Die Bilder lagen kunterbunt über- und untereinander. Er sah sich die Bescherung an und dachte „ein ganz neues Bild, was sich hier ergibt“. Das war der Beginn seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Collagen.


…über die Freiheit von Kunst.


Sich mit Kunst zu beschäftigen, ist für Helmut Schindler Lebenselixier. Dabei sucht er den unvoreingenommenen und neugierigen Blick auf die Welt und vor allem auf den Moment. Seinen Schülerinnen und Schülern versuchte er im Unterricht etwas an die Hand zu geben, durch das sie ins Nachdenken kommen und so von ganz allein Spaß daran entwickeln, zu lernen. Wer wünscht sich nicht eine solche Lehrkraft?


Der Koppelwinkelsee im größten Atelier der Welt.


Irgendwann bleiben wir vor dem Bild „Koppelwinkelsee nach Gewitter“ stehen und Helmut Schindler erzählt: „Meine Frau und ich waren auf dem Weg in den Urlaub und fuhren am Koppelwinkelsee vorbei. Da kam ein starkes Gewitter. Ich stellte mir vor, wie wunderschön das Licht am Koppelwinkelsee nach diesem Naturereignis sein müsse. Deshalb packte ich unmittelbar nach dem Unwetter die Staffelei und Malutensilien aus, suchte mir ein Plätzchen und malte den See.“

Einmal wurde Schindler gefragt, wo sein Atelier sei. Er antwortete: „Ich habe das größte Atelier der Welt“ und meinte damit die weite Natur mit allem, was es wert ist zu Malen. Er sagt: „Malen hat für mich viel mit Musik gemeinsam. Das Umsetzen von Stimmungen in farbige Akkorde fasziniert und reizt im gleichen Maß. Das wäre aber allein zu wenig. Malen macht mir Spaß und erfreut – selbst wenn es oft weh tut; selten befriedigt es – aber niemals nur selbst.“

Kunst ist für Helmut Schindler der Prozess der Kreativität, nicht aber das Ergebnis. Vielleicht liegt darin der Schlüssel. Bei Helmut Schindler führte die immerwährende Neugierde auf einen nicht vorhersehbaren Prozess zu überraschenden Ergebnissen. Ein Greul ist Helmut Schindler der Gedanke an die Zeit, in der die Politik Kunst diktierte. Er hält es mit Schiller: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“.


Meine zufällig entstandene Begegnung mit Helmut Schindler im Wasserturm von Favoriten hat nachgewirkt.  Wenn ich nach einem Unwetter spazieren gehe, bin ich sehr gespannt darauf, welche Stimmung durch die Farben diesmal erzeugt wird. Ich denke an die Freiheit von Kunst und daran, dass es manchmal guttut, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

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Die Dämmerung breitet sich in der Umgebung aus und zu hören ist nur der beruhigende, blubbernde Motor unseres alten VW Käfers. Ansonsten hört man kein Geräusch. Ein bisschen fühlt es sich an wie nach Neuschnee, alles scheint in Watte gepackt. Da wir uns aber mitten in einem Naturschutzgebiet befinden, ist das unnatürlich. Normalerweise kündigen Vögel mit ihrem Abendgesang die Nacht an, hier ist es absolut still. Auch der Wind verursacht kein Blätterrauschen. Denn die Korkeichen am Straßenrand und auf den Hügeln um uns herum tragen kein einziges Blatt mehr, obwohl es erst September ist. Und die Baumstämme und Äste der Bäume sind kohlrabenschwarz. Es fühlt sich an, als würden wir durch eine Mad Max Kulisse fahren nach einer Apokalypse. Auch der Geruch ist nicht der nach frischem Wald. Zugetragen hat sich das im Jahr 1990. Wir waren als Studenten auf Tour und fröhlich gestimmt von der Route Napoleon abgefahren. Nun durchquerten wir zum ersten Mal das südfranzösische Maurengebirge in Richtung Côte d’Azur. Es war auch das erste Mal, dass wir die Auswirkungen eines verheerenden Waldbrandes gigantischen Ausmaßes unmittelbar erlebten, es sollte nicht das letzte Mal sein. Woher kommt der Name Massif des Maures? Das Gebirge befindet sich zwischen Hyères und Fréjus im Departement Var. Es erstreckt sich über eine Fläche von 135 000 Hektar und ist 60 km breit, über 130 km lang und bis zu 780 m hoch. Der Name der Gebirgskette, Massif des Maures (Maurengebirge), hat seinen Namen von der dunklen Farbe des Gesteins und seiner Bewaldung mit Kork- und Steineichen und ist wohl auf das okzitanische Wort maouro (schwarz) zurückzuführen. Der Name hat sich mit den Jahrhunderten immer wieder verändert: Montem Maurum, Maura, la Maura im Jahre 1529, las Mauras de Bormettas. Historiker und Linguisten vermuten, dass der Name „montagne noire“ (schwarzer Berg), zuerst im Singular als „la noire“ (der Schwarze) benutzt wurde (la Maura, in Latein und Provenzalisch) und später auch im Plural, da das Gebirge mehrere Gipfel aufweist. Zahlreiche markante Aussichtspunkte ermöglichen fantastische Ausblicke über die imposante Küste und kilometerweite Wälder im Landesinneren. Wer die Ruhe abseits der Touristenströme liebt und dem hippen Côte d’Azur-Lifestyle ab und zu den Rücken kehren möchte, ist hier goldrichtig. Man kann wandern und abgelegene Weingüter besichtigen, die, wie beispielsweise das Weingut Domaine Murennes, aufgrund schwerer Erreichbarkeit auch der Resistance einen Rückzugsort boten. Darüber schreibe ich aber ein anderes Mal. Mit der Waldbrandgefahr leben Auffällig im Massif de Maures sind allgegenwärtig Warn- und Verbotsschilder, die bei bestimmten Wetterlagen das Begehen der Wege verbieten, um damit die Gefahr von Waldbränden einzudämmen. Damit muss man rechnen und das ist auch gut so. Denn leider sind Waldbrände im Maurengebirge keine einmalige Katastrophe, sondern treten immer wieder auf. Sie gehen nicht immer glimpflich aus. Bei einigen der Brände starben Menschen. Bei allen Bränden sind Natur und Tiere betroffen. Die Korkeichen erholen sich meist wieder schnell, das gilt nicht für die ebenfalls ansässigen Schirmpinien, ganz zu schweige von den Tieren, die nicht schnell genug das Weite suchen können. Die Natur kann sich über mehrere Jahre hinweg regenerieren, die Landschaft wird aber eine andere sein. Und immer, wirklich immer, sind hunderte von Feuerwehrmännern bei den Waldbränden im Einsatz, um die Feuer zu bekämpfen, manchmal viele Tage lang und immer bis zur Erschöpfung und in der Hoffnung und mit Blick auf Wind und Wetter, ob sich das Schlimmste verhindern lässt. Warum schreibe ich darüber? Feuerwehrmänner: Helden auf Abruf Die Idee entstand diesen Sommer, als wir an einem wundervollen sonnigen Septembertag bei bestem Wetter oberhalb des Örtchens Bormes les Mimosas steil bergan durch den Korkeichenwald zur Chapelle Notre Dame de Constance wandern. Der Blick von oben ist herrlich. Nach einem etwa 30-minütigen Fußweg und mächtig durchgeschwitzt genießen wir den Ausblick über die Küste und die Inseln Iles d'Or und Iles du Levant von der Kapelle aus. Ein Stück weiter befindet sich eine Aussichtsplattform mit 360-Grad-Aussicht. Bei näherem Hinsehen fallen mir von weitem zwei Menschen in tieforangen Oberteilen auf, die auf der Plattform sitzen und sich unterhalten. Es sind Feuerwehrmänner, die hier Feuerwache halten. Für mich sind das zwei der Helden des Maurengebirges und ich möchte sie kennenlernen. Endlich zahlt sich für mich aus, dass ich seit etwa einem Jahr mein Schulfranzösisch mit einem Online-Kurs aufpoliere. Auffällig ist die Ruhe, die die beiden ausstrahlen. Das ist mir vertraut vom Kontakt zu Menschen, deren Arbeit darin besteht, in Ausnahmesituationen besonnen funktionieren zu müssen. Sehr entspannt und zugewandt gehen sie auf meine unperfekt auf Französisch formulierten Fragen ein. Oft treffe ich mittlerweile auf Französinnen und Franzosen, die lieber aufs Englische ausweichen, als Geduld für mein B1-Sprachniveau aufzubringen. Wir kommen ins Gespräch und unterhalten uns über Urlaube mit dem Wohnmobil, der eine der beiden fährt ein Hymermobil und ist davon begeistert. Als wir ihm berichten, dass wir etwa 40 km entfernt vom Hymer-Stammsitz in Deutschland unsere Heimat haben, ist er begeistert: „Eh bien, le monde est petit.“ (Die Welt ist klein.) Unsere Gesprächsthemen streifen nur am Rande die großen Brände von 2021 und 2017, die hier noch allen in Erinnerung sind. Vielleicht ist das normal. Es ist auf jeden Fall verständlich: Die beiden Feuerwehrmänner müssen sich konzentriert fokussieren, wenn Gefahr im Verzug ist. Jetzt plaudern sie, aber immer mit aufmerksamem Rund-um-Blick über die bewaldeten Hügel und immer mit halbem Ohr am Funkgerät, aus dem, begleitet von Knarzen und Rauschen, kurze Meldungen eingehen. Das ist der Moment, indem ich beschließe, den Blog über die Begegnung mit den beiden Feuerwehrmännern zu schreiben. Für mich sind sie stellvertretend für alle, die für die Sicherheit im Maurengebirge sorgen. Eine Präventionskampagne liefert nützliche Informationen für Touristen und Einheimischen: https://www.prevention-incendie-foret.com/ Konkrete Verhaltenstipps für Waldbesuche gibt es hier: https://www.prevention-incendie-foret.com/pratiques-a-risque/en-foret-interdiction-de-faire-feu Die Risikomeldungen werden zwischen Juni und September täglich aktualisiert: Zugangskarte zu den Waldgebieten des Var und Arbeitsvorschriften in den Waldgebieten des Var
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